Tag 7: Wir holen unser Auto für die Highlands
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Kerið · Hellisheiði · 2026-08-19

Tag 7: Wir holen unser Auto für die Highlands

von Jürgen 5 Min. Lesezeit

Heute ist ein recht entspannter Tag geplant - erstmals haben wir kein straffes Programm vor uns sondern versuchen mal die letzten Tage zu verarbeiten und uns für die kommenden Tage vorzubereiten. Kleine Routenplanungen, Wäsche waschen und vor allem unser Auto für die Highlands abholen.

In Island gibt es sogenannte “F-Roads” - diese Straßen sind nur mit 4x4 Autos befahrbar weil teilweise ungebrückte Flüsse gequert werden müssen und auch die Straßen eher “Offroad” (also massive Schlaglöcher, Schotter, große Steine, etc.) sind. Deswegen haben wir uns dafür entschlossen dass wir uns einen 4x4 Jeep für ein paar Tage ausleihen und unseren Tesla am Campingplatz stehen lassen. Wir sind dafür kurz auf einen Abstecher nach Reykjavik gefahren um uns den Suzuki Jimny zu holen. Der Jimny ist wohl das “Einsteigermodel" wenn es um isländische Highland-Fahrzeuge geht. Im Nachhinein würden wir eventuell einen etwas größeren Jeep nehmen aber auch der Jimny hat uns super Dienste erwiesen (mehr dazu in den folgenden Blogbeiträgen).

Nach der Abholung des Jimnys (und einem kleinen Umweg zum DJI Store in Reykjavik - ich hab direkt am ersten Tag einen Propeller meiner Drohne zerstört und natürlich keinen passenden Ersatz mit…) geht's zum Geothermalkraftwerk in Hellisheidi. Die Isländer sind eine der Vorzeigenationen wenn es um CO2-freundliche Stromerzeugung und innovative, alternative Energieerzeugung geht. Mit den über das gesamte Land verstreuten geothermalen Quellen bietet Island natürlich auch eine sehr gute Grundlage um genau dieses Naturphänomen für einen positiven Zweck zu verwenden.


Jeder der wenig Interesse an technischem Detailwissen hat, kann nun diesen Teil überspringen - hier werde ich bisschen was zu geothermaler Energie schreiben weil ich durchaus interessant fand, wie hier mit natürlichen Quellen große Massen an Strom und Warmwasser erzeugt werden können.

Das Geothermalkraftwerk in Hellisheidi liegt ca. 30 Fahrtminuten von Reykjavik entfernt und ist DAS wichtigste Kraftwerk für das gesamte Land. Es liefert zu Peakzeiten 303 MW Strom und deckt damit 80% des gesamten Energiebedarfs Reykjaviks. Geothermale Energie funktioniert - in einfachen Worten erklärt - so, dass das heiße Wasser und der Wasserdampf durch Bohrungen, die bis zu 2 km tief sind, in Leitungen zum Kraftwerk transportiert werden. Bevor dies passiert wird das Wasser und der Wasserdampf in Bergstationen separiert und getrennt an das Kraftwerk durch Leitungen geliefert. Im Kraftwerk, werden durch den Wasserdampf Dampfturbinen (Hochdruckturbinen) angetrieben, welche wiederrum über Generatoren & Transformatoren den Dampf in nutzbaren Strom umwandeln. Das heiße Wasser wird zusätzlich in einer “Niedrigdruckturbine” ebenso für die Stromerzeugung genutzt aber auch für die Warmwasserversorgung. Also das bereits warme Wasser wird direkt nach Reykjavik geleitet und dort mit kaltem Wasser gemischt um die notwendigen Wassertemperaturen zu liefern.

Das ermöglicht es, dass über 50 Straßen in ganz Reykjavik nicht mehr manuell von Schnee geräumt werden müssen, weil dieses “überflüssige” Heißwasser beispielsweise auch für die Erwärmung von Straßen verwendet wird.

Beim gesamten Prozess der Stromerzeugung fällt natürlich auch bei einem geothermalen Kraftwerk ein gewisser CO2 Footprint an - vergleichsweise wenig im Vergleich zu anderen Stromquellen aber genügend um die isländische Forschung dazu angeregt zu haben, sich etwas in diese Richtung einfallen zu lassen. Und zwar wird das überflüssige CO2 mit Wasser gemischt - im Prinzip wie bei einem SodaStream - und wieder zurück in die Erde injiziert. Das CO2 setzt sich dabei am Basaltgestein in fester Form ab und wird damit in der Erde wieder gebunden. Ziemlich genial…

Damit schafft es das Hellisheidi Kraftwerk “net-zero" Strom zu erzeugen - als eines der wenigen Kraftwerke weltweit.


Nach diesem “informativen” Ausflug ging's dann wieder zurück zum eigentlichen “Sightseeing”. Nachdem wir heute sonst nicht allzu viel vor hatten, haben wir kurzerhand entschieden einen recht touristischen Vulkankrater - den “Kerid” - nähe Selfoss auf dem Golden Circle zu besichtigen. Einerseits recht beeindruckend wenn man bedenkt, dass hier tatsächlich mal Lava rausquoll - andererseits eher genervt davon, dass hunderte Touristen sich hier rumdrängeln, haben wir nach 10-15 Minuten Aufenthalt entschlossen, dass uns das an Spektakel genügt. War nett zu sehen - muss man aber nicht gesehen haben - da bietet Island viel spektakulärere Dinge…

Aber seht selbst:

Am Abend ging's dann retour zum Campingplatz und während Patci sich um die Wäsche gekümmert hat - übrigens ein richtiges Schnäppchen für 8 € fürs Waschen & 8 € fürs Trocknen in einem Industrietrockner mit irgendeinem nicht allzu gut riechendem Billigwaschmittel - hab ich uns noch ein paar Tortilla Wraps mit Guacamole kredenzt.

Gut gestärkt ging's dann recht früh in Richtung Bett um für einen spannenden ersten Tag in den Highlands gewappnet zu sein! See you soon!

Bis bald!

Jürgen

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