Tag -4: Beachvolleyball am Island Trip?
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Hamburg · 2026-08-09

Tag -4: Beachvolleyball am Island Trip?

von Jürgen 6 Min. Lesezeit

Wie der Titel es schon impliziert, hatten wir beim Planen unseres Island Trips offensichtlich ein glückliches Händchen und konnten unseren Lieblingssport (wobei… eher nur meinen Lieblingssport nachdem Patci doch eher die Halle liebt) auch noch mit ins Programm aufnehmen. Auf der Reise Richtung Hirtshals (DK) liegt Hamburg am Weg und tollerweise wird genau an diesem Wochenende das Elite 16 Turnier auf der Galopprennbahn Hamburg-Horn veranstaltet.

Wie für ein Elite 16 üblich natürlich mit einer extrem guten Besetzung und was stimmungstechnisch für ein Turnier immer sehr fein ist - mit außerordentlich vielen deutschen Teams im Main Draw. Nachdem wir den gesamten Samstag als Anreisetag nach Hamburg nutzen mussten (ca. 11h Fahrt inkl. Pausen), ging sich für uns nur der Sonntag fürs Zuschauen aus - aber der Finaltag - vor allem mit deutscher Besetzung in Form von Ehlers / Wüst - zeigte uns einmal mehr die Schönheit unseres Lieblingssports auf.

Die Semifinale der Damen waren mit Gottardi / Orsi Toth vs. Brunner / Hüberli und Rebecca / Carol vs. Graudina / Samoilova bereits 2 Schmankerl, die man sich gerne ansieht. Einerseits die amtierenden Weltmeisterinnen aus Lettland, die momentane FIVB World Ranking #1 und mit den Italienerinnen ein Team, das immer für ein Finale gut ist. Und dazu auch noch die nach einer Babypause zurückgekehrte Nina Brunner mit ihrer unglaublichen Blockspielerin Hüberli. Und genau das bewies Hüberli / Brunner auch direkt im 1. Semifinale - die Italienerinnen absolut chancenlos (21:8 im ersten Satz) - brutaler Servicedruck gegen Gottardi, der zu mindestens 5-10 Annahmefehlern führte. Der 2. Satz wurde dann souverän durch die Schweizerinnen nach Hause gebracht. Danach folgte ein 3-Satz Krimi im 2. Semifinale, das die Lettinnen für sich entscheiden konnten. Athletik, Spielwitz und Siegeswille schlugen hier die Erfahrung und Konstanz von Rebecca / Carol. Damit durchaus ein überraschendes Finale, das aber nach diesen Spielen Vorfreude auf mehr machte.

Bei den Herren ein anderes Bild - mit Ehlers / Wüst steht ein vermeintlicher Underdog, der gerade mal so in den Maindraw gerutscht ist, im Semifinale gegen momentan unfassbar gut aufspielende Letten (Plavins / Fokerots) - Plavins mit seinen 42 Jahren hat gerade noch am Vortag im Viertelfinale gezeigt, was er zu leisten im Stande ist und die letzten Ergebnisse auf der Tour zeigen, wie stark dieses Team momentan ist. Im 2. Semifinale vielleicht eine der letzten Möglichkeiten Anders Mol mit seinem Partner Christian Sorum live zu sehen. Nachdem bereits angekündigt wurde, dass Mol diese Saison Verona in der Halle “verstärken” wird, ist wohl unklar wie oft man diesen Ausnahmespieler noch am Sand spielen sehen wird. Die Gegner der Norweger im 2. Semifinale mit Van der Velde / de Groot aber auch 2 Spieler, die unfassbar Spaß beim Zuschauen machen und ein interessantes 2. Semifinale erhoffen ließen. Und wie soll es anders kommen - Nils Ehlers und Lui Wüst spielen bei ihrem ersten gemeinsamen Elite 16 auf einem unglaublichen Level und lassen sich vom deutschen Heimpublikum zu Höchstleistungen pushen, die sie in einer hart umkämpften 3-Satz Partie, am Ende im Finale stehen lassen. Unfassbar - 1. gemeinsames Turnier, 1. gemeinsames Elite 16 und direkt das 1. Finale - und das noch dazu für Lui Wüst, der Fußweg 5 Minuten entfernt vom Court wohnt. Die Vorfreude aufs Finale ist riesig - aber davor kommt noch das 2. Semifinale der Herren - und hier war’s unerwartet knapp - Mol / Sorum hatten hart zu kämpfen um sich gegen frisch aufspielende Niederländer zu beweisen - oft wirkte Norwegen nicht mehr ganz so dynamisch wie man sie von früher gewohnt war und die Niederländer zeigten modernen Beachvolleyball wie man ihn - von vor allem den schwedischen Teams (& Hammarberg / Berger!) - bereits gewöhnt ist. Trotz allem setzten sie sich in einer spannenden, hochklassigen 3-Satz Partie durch und durften wiedermal einen Elite 16 Finaleinzug feiern.

Für 18 Uhr und 19 Uhr angesetzt, starteten die beiden Finali pünktlich und bereits das Damenfinale zw. Brunner / Hüberli und Graudina / Samoilova ließ uns auf unsere Kosten kommen. Nina Brunner mit einer Defense- und Serviceleistung, die man so auf diesem Niveau selten sieht und Hüberli eine Maschine am Block - bei diesem Duo darf man sich für die Zukunft auf jeden Fall noch viele weitere Topleistungen erwarten - und das alles nachdem Nina Brunner gerade erst nach einer Babypause wieder zurück auf die Tour kam. Unfassbare Leistung und größter Respekt vor dieser Frau und allen Frauen, die so eine Leistung auf Profisportniveau parallel zum Familienleben unterbringen und miteinander vereinbaren können.

Danach folgte das Highlight des Tages mit Ehlers / Wüst vs. Mol / Sorum - auf dem Papier sind hier Mol / Sorum klare Favoriten. Aber an dem Tag lag etwas in der Luft - der Center Court hat im wahrsten Sinne des Wortes gebrannt (Pyrotechnik, Party und Hitze). Das Publikum wollte ihre Lokalmatadoren zum Sieg tragen und jedes Mal wenn am Court gefühlt die Norweger das Zepter in die Hand nehmen wollten, war die Crowd für Lui & Nils da und peitschte die beiden von Punkt zu Punkt. Trotz eines durchwachsenen Starts des deutschen Duos stabilisierte sich das Sideout innerhalb der ersten 5-10 Punkte und der erste Satz wurde zu einem Nervenspiel mit Ralleys, die man sich als Zuseher wünscht und oft mit dem glücklicheren Ende für das deutsche Duo ausgingen. Die Stimmung am Center Court war so wie man es sich wünscht, wenn ein lokales Team auftritt und so kam es wie es kommen musste - Ehlers / Wüst gewinnen tatsächlich den ersten Satz 22:20 und gehen in die Satzpause mit unglaublichem Momentum und einem Center Court, der so laut war, wie ich es bisher beim Beachvolleyball nicht erlebt habe. Im 2. Satz starten die deutschen Jungs genauso wie der 1. Satz geendet hat - eine Blockperformance von Nils Ehlers der in Summe ca. 8 Killblocks und viele viele weitere wichtige Blockberührungen hatte - und einem Lui Wüst, der ein fantastisches Sideout gegen einen starken Anders Mol spielen musste und das auch getan hat. Einige schnelle Breaks des deutschen Teams führten zu einem risikoreicherem Spiel der Norweger, das nicht belohnt wurde und so ging der 2. Satz 21:8 für Ehlers / Wüst verdient an das Team, das wir hoffentlich in Zukunft noch öfter auf der Tour sehen werden. Und für uns ging vermutlich der letzte Beachvolleyball Tag für diese Saison gebührend zu Ende und die Vorfreude auf alle Turniere im nächsten Jahr ist bereits jetzt schon riesig.

Bis bald!

Jürgen

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