Myvatn · Laugar · 2026-09-01
Tag 20: Pseudokrater und leuchtend blaues HöhlenwasserDay 20: Pseudo-craters and glowing blue cave water
Am vorletzten Tag unserer Reise ging's für uns von unserem Campingplatz in Laugar weiter Richtung Mývatn - und dieses Gebiet ist so etwas wie eine kurze Zusammenfassung dessen, was wir in den letzten 3 Wochen Island so erleben durften. Ein bisschen Kontext vorweg: Der Mývatn (übersetzt übrigens "Mückensee", wegen der im Sommer teils berüchtigten Schwärme nerviger Mücken - zum Glück hielt sich das bei uns einigermaßen in Grenzen) ist ein flacher, vor rund 2.300 Jahren durch eine gewaltige Lavaeruption entstandener See, der zum aktiven Vulkansystem der Krafla gehört.
Erster Halt: die Pseudokrater von Skútustaðagígar am Südufer des Sees. Und weil der Name schon so spannend ist, gibt's natürlich auch wieder direkt ein paar Infos dazu: Ein "Pseudokrater" ist, wie der Name schon andeutet, kein echter Vulkankrater - unter ihm liegt also keine Magmakammer. Entstanden sind diese kegelförmigen Gebilde stattdessen dadurch, dass die heiße Lava damals über sumpfigen, wassergesättigten Boden geflossen ist. Das eingeschlossene Wasser verdampfte darunter schlagartig, und der Dampf sprengte sich in kleinen Explosionen nach oben durch die Lavadecke - wodurch diese kraterartigen Hügel zurückblieben. Wir spazierten auf den angelegten Wegen zwischen den grün bewachsenen Kegeln entlang, mit dem See und den Bergen im Hintergrund - ein netter Start in den Tag.



Nun aber zum ersten größeren Brocken: dem Hverfjall - wir durften mit dem Kerid bereits einen Vulkankrater auf unserer Reise besuchen und waren - sagen wir mal - mäßig beeindruckt. Daher gingen wir auf diesen Krater mit weniger Erwartungshaltung und wurden diesmal überrascht. Dieser gewaltige, pechschwarze Aschekegel thront wie ein überdimensionaler Krater in der Landschaft und gehört mit rund einem Kilometer (!!) Durchmesser zu den größten Tephra-Ringkratern der Welt. Entstanden ist er vor etwa 2.500 Jahren bei einer einzigen, extrem heftigen Explosion. Der Aufstieg auf dem feinen schwarzen Vulkangestein war in etwa 10 Minuten erledigt, um oben angekommen in diese kahle Kraterschüssel runterschauen zu können. Ziemlich beeindruckend wenn man sich vorstellt, dass der Kerid Krater nur ein Fünftel des Durchmessers war… Für ein euphorisches Gipfelfoto von Patci hat's natürlich dann auch gereicht.


Weiter ging's zu einem Ort, den wir aufgrund unseres Interesses zu Kino, Filmen & Serien auf jeden Fall sehen wollten - die Grjótagjá. Von außen betrachtet ist das erstmal nur eine unscheinbare Felsspalte, doch steigt man in die kleine Lavahöhle hinab, offenbart sich ein fast unwirklich schönes, leuchtend türkisblaues Thermalwasser, das im spärlichen Licht regelrecht zu glühen scheint. Wer die eine oder andere Serie schaut, kommt hier übrigens ins Grübeln: Ja, genau, das ist die berühmte Höhle aus Game of Thrones, in der Jon Snow und Ygritte ihre romantische Szene hatten. Baden darf (und will) man hier heute allerdings nicht mehr, denn seit den vulkanischen "Krafla-Feuern" in den 70er- und 80er-Jahren ist das Wasser mit teils weit über 60 °C schlicht zu heiß dafür.


Direkt über der Höhle zieht sich eine beeindruckende, klaffende Erdspalte durch die Landschaft. Der Grund dafür ist geologisch gesehen etwas ganz Großes (und haben wir bei unserem Trip nach Thingvellir auch schon erwähnt) - hier verläuft nämlich die Grenze zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte, die pro Jahr um wenige Zentimeter auseinanderdriften. Man springt hier also zwischen zwei Kontinentalplatten hin und her. :)
Nach diesen kurzweiligen Abstechern war dann eine Stärkung fällig, und die holten wir uns im Vogafjós Cowshed Café - einem Lokal, das seinem Namen alle Ehre macht, denn durch ein großes Fenster kann man direkt in den angrenzenden Kuhstall blicken, während man isst. Jeder der mich kennt weiß, dass ich sehr kritisch bin wenn's um Tierhaltung geht aber in diesem Fall, hab ich dann eine Ausnahme gemacht, nachdem ich live sehen durfte, auf welchen riesigen Weiden die Kälber und Kühe hier leben dürfen, wie diese Tiere generell gehalten werden (jeden Tag so viel Auslauf wie sie wollen, keine Trennung der Mütter von den Kälbern und wie sauber die Ställe für diese Tiere sind (wenn's nur jeder gehaltenen Kuh so gehen würd, wie diesen Tieren…). Natürlich wär's schöner wenn gar keine Tiere mehr für die Schlachtung gezüchtet werden müssten aber wenn schon, dann wär's schön wenns überall so wäre…

Auf den Tisch kamen eine dampfende, deftige “Beef"-Suppe, eine heiße Pfanne “Mashed Fish” und dazu das lokale Schmankerl schlechthin: geothermal gebackenes Brot. Dieses dunkle, leicht süßliche Roggenbrot wird hier traditionell in Töpfen direkt im heißen, vulkanischen Boden vergraben und über viele Stunden von der Erdwärme gebacken - Island nutzt seine geothermale Energie eben nicht nur zum Heizen und Stromerzeugen, sondern auch zum Backen. Schmecken tut's uns beiden zwar nicht so - muss man sich eher wie einen recht weich gebackenen, süßlichen Kuchen vorstellen aber probiert haben wir's zumindest.


Bevor's zurück zum Campingplatz ging, ließen wir zum Abschluss noch einmal unsere Drohne steigen und fingen aus der Vogelperspektive ein letztes Naturschauspiel ein: ein Flusssystem, das sich in unzähligen verzweigten Armen und Schleifen durch die grüne, moosbewachsene Ebene schlängelt.

Zurück am Campingplatz erwartete uns dann noch ein tierisch netter Empfang: die hier ansässige Katze, die es sich seelenruhig neben unserem Zelt im Gras gemütlich machte und sich ausgiebig streicheln ließ - der perfekte, entspannte Ausklang des vorletzten Tages unserer Reise… Nur ums Festgehalten zu haben - im Suzuki Jimny Race führt Jürgen nun 24:20 am Ende des Tages! Wooohooooo!!!!

On the second-to-last day of our trip we continued from our campsite in Laugar towards Mývatn - and this area is something like a short summary of everything we got to experience of Iceland over these last 3 weeks. A bit of context first: Mývatn (which, by the way, translates as "midge lake", because of the sometimes notorious swarms of annoying midges in summer - luckily that stayed within reasonable limits for us) is a shallow lake, formed around 2,300 years ago by a massive lava eruption, that belongs to the active volcanic system of Krafla.
First stop: the pseudo-craters of Skútustaðagígar on the southern shore of the lake. And because the name alone is so exciting, of course there's a bit of info to go with it again right away: a "pseudo-crater" is, as the name already suggests, not a real volcanic crater - so there's no magma chamber beneath it. Instead, these cone-shaped formations came about because the hot lava back then flowed over swampy, water-saturated ground. The trapped water beneath it evaporated abruptly, and the steam blasted its way up through the lava blanket in small explosions - leaving behind these crater-like hills. We strolled along the laid-out paths between the green, overgrown cones, with the lake and the mountains in the background - a nice start to the day.



But now to the first bigger chunk: the Hverfjall - we already got to visit a volcanic crater on our trip with the Kerið and were, let's say, moderately impressed. So we approached this crater with lower expectations and this time we were surprised. This mighty, pitch-black cone of ash towers over the landscape like an oversized crater and, with a diameter of around one kilometre (!!), is one of the largest tephra ring craters in the world. It formed about 2,500 years ago in a single, extremely violent explosion. The climb up the fine black volcanic rock was done in about 10 minutes, so that once at the top you could look down into this bare crater bowl. Pretty impressive when you imagine that the Kerið crater was only a fifth of the diameter... And of course it was enough for a euphoric summit photo of Patci too.


Then we moved on to a place that, given our interest in cinema, films and series, we absolutely wanted to see - the Grjótagjá. From the outside it's at first just an inconspicuous crack in the rock, but if you climb down into the small lava cave, an almost unreal, beautiful, glowing turquoise-blue thermal water reveals itself, which in the sparse light really seems to glow. Anyone who watches one or two series will start pondering here: yes, exactly, this is the famous cave from Game of Thrones in which Jon Snow and Ygritte had their romantic scene. Bathing here, however, is no longer allowed (nor do you want to) today, because ever since the volcanic "Krafla Fires" of the 70s and 80s the water, at times well over 60 °C, is simply too hot for it.


Right above the cave, an impressive, gaping rift in the earth runs through the landscape. The reason for it is, geologically speaking, something really big (and we already mentioned it on our trip to Thingvellir) - because here runs the boundary between the North American and the Eurasian continental plates, which drift apart by a few centimetres per year. So here you jump back and forth between two continental plates. :)
After these entertaining little detours it was time for some refreshment, and we got that at the Vogafjós Cowshed Café - a place that lives up to its name, because through a large window you can look directly into the adjoining cowshed while you eat. Anyone who knows me knows that I'm very critical when it comes to animal husbandry, but in this case I made an exception after being able to see live on what huge pastures the calves and cows get to live here, how these animals are generally kept (as much time outside every day as they want, no separation of the mothers from the calves) and how clean the barns are for these animals (if only every kept cow had it as good as these animals...). Of course it would be nicer if no animals had to be bred for slaughter at all, but if they must, then it would be nice if it were like this everywhere...

On the table came a steaming, hearty "beef" soup, a hot pan of "mashed fish" and, to go with it, the local delicacy par excellence: geothermally baked bread. This dark, slightly sweet rye bread is traditionally buried here in pots directly in the hot, volcanic ground and baked over many hours by the earth's heat - Iceland uses its geothermal energy not only for heating and generating electricity, but also for baking. Neither of us really liked the taste - you have to imagine it more like a fairly soft-baked, sweetish cake - but at least we tried it.


Before heading back to the campsite, to round things off we sent our drone up one more time and captured, from a bird's-eye view, one last natural spectacle: a river system winding its way in countless branching arms and loops through the green, moss-covered plain.

Back at the campsite, an adorably nice welcome awaited us: the resident cat, which made itself comfortable in the grass right next to our tent, calm as anything, and let itself be petted extensively - the perfect, relaxed close to the second-to-last day of our trip... Just to have it on record - in the Suzuki Jimny Race, Jürgen is now leading 24:20 at the end of the day! Wooohooooo!!!!

Bis bald!
Jürgen