Tag 12: Sightseeing in Reykjavik
← Alle Artikel

Reykjavik · 2026-08-24

Tag 12: Sightseeing in Reykjavik

von Jürgen 6 Min. Lesezeit

Wie angekündigt gibt's für uns heute einen Sightseeing Tag in der Hauptstadt Islands. Nachdem wir uns noch 2 Tage hier aufhalten, trifft sich das recht gut um auch mal die städtischen Seiten (von denen es wahrlich nicht viele gibt) kennenzulernen.

Wir starten mit einem Besuch im “Perlan Natur Museum” - ein sehr modernes und interaktives Museum ca. 10 Minuten vom Stadtkern entfernt. Parkplätze gibt es genug - beim Ticketkauf geht's auch ruckzuck und schon von außen ist das “Perlan” ein Hingucker, denn das Museum thront auf einem Hügel in einer riesigen Glaskuppel, die auf sechs ehemaligen Warmwassertanks sitzt (ja, auch hier wieder das Thema Geothermie, aber dazu haben wir euch ja bereits genug erzählt). Und ganz oben eine 360-Grad Aussichtsplattform, von der aus man ganz Reykjavik überblicken kann.

Was das Perlan aber wirklich besonders macht, ist die Art und Weise, wie hier Wissen vermittelt wird. Kein trockenes "hinter Glas anschauen und weitergehen", sondern alles interaktiv, zum Angreifen, Ausprobieren und Staunen. Das absolute Highlight ist die 100 Meter lange Eishöhle, die erste ihrer Art weltweit, komplett aus über 350 Tonnen echtem Schnee und Eis nachgebaut. Dazu gibt's ein 8K Planetarium, in dem man sich unter Nordlichtern gemütlich zurücklehnen kann und viele interaktive Ausstellungsbereiche, wo man auch als Erwachsener sehr viel Spaß damit haben kann.

Hier ein paar Schnappschüsse der Eishöhle:

Und hier von einer kleinen “Sphere” in welcher man “immersiv” erleben kann, wie der Ausbruch des Gerlingardalir 2021 aussah:

Nebenbei lernt man natürlich auch einiges über die Geschichte dieser Insel. Wer unsere letzten Artikel gelesen hat, kennt ja bereits Ingólfur Arnarson, den ersten Wikinger, der sich hier dauerhaft niederließ und der Bucht, aus deren geothermalen Quellen der Dampf aufstieg, den Namen "Reykjavik" (=rauchende Bucht) gab.

Auch tierisch wird's im Perlan interessant. Wusstet ihr, dass der Polarfuchs (Arctic Fox) das einzige heimische Landsäugetier Islands ist? Der kleine Kerl war schon vor den ersten Siedlern da, vermutlich am Ende der Eiszeit über zugefrorenes Meereis auf die Insel gewandert. Alle anderen Landtiere, die wir hier bisher gesehen haben, vom Schaf bis zum Isländerpferd, haben erst die Wikinger mitgebracht.

Am nachdenklichsten hat uns aber die Ausstellung rund um die Gletscherschmelze gemacht. So beeindruckend die Eishöhle auch ist, sie erzählt gleichzeitig eine ziemlich traurige Geschichte. Die isländischen Gletscher schmelzen, und das rasant. 2014 verlor mit dem Okjökull der erste isländische Gletscher offiziell seinen Status als Gletscher, und 2019 wurde ihm ein Denkmal gesetzt, eine kleine Plakette mit dem Titel "A letter to the future" (ein Brief an die Zukunft).

Verfasst vom isländischen Autor Andri Snær Magnason, richtet sich dieser Brief direkt an die kommenden Generationen: In den nächsten 200 Jahren, so die Prognose, werden alle isländischen Gletscher demselben Weg folgen. Der Text endet mit den Worten, dass wir wissen, was passiert und was zu tun wäre, und nur die, die diese Zeilen in der Zukunft lesen, werden wissen, ob wir es getan haben. Ein Gedanke, der uns nach all den Gletschern, Eishöhlen und dieser unfassbaren Natur der letzten Tage noch lange begleiten wird.

Nach etwa 3h im Perlan Museum ging's für uns weiter zur populären “Halgrimskirkja”. Wer schon einmal ein Foto von Reykjavik gesehen hat, kennt sie vermutlich bereits - das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt, das mit seinen knapp 75 Metern über die bunten Dächer thront. Und für uns hatte dieser Bau einen ganz besonderen Wiedererkennungswert, denn die markante Fassade, die nach oben hin wie eine gigantische Orgel oder eher wie aufsteigende Stufen wirkt, ist tatsächlich den Basaltsäulen nachempfunden, die uns auf dieser Reise schon am Svartifoss und am Studlagil Canyon so fasziniert haben. Island in Steinform sozusagen, mitten in der Hauptstadt.

Benannt ist sie nach Hallgrímur Pétursson, einem isländischen Dichter und Geistlichen des 17. Jahrhunderts. Davor steht übrigens, schon lange bevor die Kirche fertig war, eine Statue von Leif Eriksson, dem Wikinger, der Amerika vermutlich schon 500 Jahre vor Kolumbus erreichte, ein Geschenk der USA an Island.

Innen ist die Kirche dann angenehm schlicht und hell gehalten, ganz im nordischen Stil, mit einer beeindruckenden Orgel, die die gesamte Rückwand einnimmt.

Nachdem wir hier dann bereits über vier Stunden unterwegs waren, war's Zeit für eine Kleinigkeit zu essen. Nachdem wir am Vortag bereits einmal bei einem recht bekannten isländischen Streetfood Laden vorbeispaziert sind, der uns direkt zugesagt hat, haben wir uns auf den Weg dorthin gemacht. Der Charme des Ladens und die vielen netten Kleinigkeiten haben uns in unserer Entscheidung direkt bestätigt.

Man bekam dort 3 verschiedene Arten an Suppe (Shellfish, Tomate, Lamm) und konnte sich so oft wie man wollte nachholen. Die Suppe wurde in einem recht leckeren weichen Brot serviert - anstatt Teller. Der unfassbare Rekord fürs “Nachholen” von weiteren Portionen lag bei 25. (wie auch immer das möglich ist - wir waren beide nach 1 Portion schon ganz gut satt).

Zusätzlich dazu gab's gratis Waffeln mit Rhabarbarmarmalade und auch gratis Wasser (was für Island eigentlich sogar Standard ist, aber bei uns ja mittlerweile gar nicht mehr so üblich ist).

Nur ein paar Gehminuten weiter, direkt am Hafen, steht mit der Harpa das moderne Gegenstück zur Hallgrímskirkja. Das 2011 eröffnete Konzerthaus ist schon von außen ein echter Hingucker: eine gigantische Glasfassade aus tausenden wabenförmigen Glaselementen, die je nach Lichteinfall und Wetter in ganz unterschiedlichen Farben schimmert und dabei den Himmel, das Meer und manchmal fast schon die Nordlichter einzufangen scheint.

Drinnen finden Konzerte, Opern und Veranstaltungen statt, es ist die Heimat des isländischen Symphonieorchesters. Aber auch ohne Ticket lohnt sich ein Blick hinein, denn allein durch dieses Lichtspiel der farbigen Glaswände zu spazieren, ist schon ein kleines Erlebnis für sich - zusätzlich gibt's ein paar kleine Shops & Cafés drinnen, die es sich mal kurz für einen Sprung zu besuchen lohnt.

Zum Abschluss unserer Sightseeing Tour ging's noch in die bekannteren Einkaufsstraßen in Midborg um einerseits noch ein paar nette Läden zu durchstöbern und andererseits um uns die sehr schöne Straßenkultur anzusehen. Die Gebäude sind architektonisch vermutlich kein Highlight aber in ihren Formen und Farben sehr süß und zusätzlich gibt es haufenweise schöne Graffitis. Folgend seht ihr noch ein paar nette Eindrücke von diesen Straßen.

Nachdem wir ein paar Kleinigkeiten geshoppt haben, ging's für uns dann noch in unser Hotel zum Abendessen und dann direkt ins Bett um für den morgigen “Golden Circle”-Trip fit zu sein. Fix ist auf jeden Fall, dass Reykjavik noch einiges mehr zu bieten hätte und wir mit diesem einen Tag zwar einen netten Einblick in diese schöne Stadt bekommen konnten aber leider auch nicht viel mehr. Also falls ihr mal die Möglichkeit bekommt nach Reykjavik zu reisen - nehmt euch mehr als einen Tag Zeit für diese tolle Stadt! :)

Bis bald!

Jürgen

← Vorheriger
Tag 10 & 11: Zwei Michelinmännchen am Kerlingarfjöll
Nächster →
Tag 13: Massentourismus am Golden Circle