Was kosten 3 Wochen Island? Unsere Reise in Zahlen!
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Pucking · 2026-09-09

Was kosten 3 Wochen Island? Unsere Reise in Zahlen!

von Jürgen 11 Min. Lesezeit

Nach all den Bildern von Wasserfällen, Walen und Vulkanen wird dieser allerletzte Artikel etwas anders, nämlich für alle Zahlen- und Statistiknerds unter euch (und für mich selbst, weil ich sowas einfach liebe). Wir haben über die gesamte Reise Buch geführt, jede Rechnung eingepflegt und über diverse Schnittstellen Zugriff auf die Fahrdaten unseres Teslas. Herausgekommen ist eine ehrliche Abrechnung darüber, was so ein Island-Abenteuer wirklich kostet. Wir teilen das Ganze in drei Kapitel: die Gesamtkosten, das leidige Thema Lebensmittel & Restaurants, und zum Schluss für die Technikfans, die Island-Reise mit dem E-Auto.

Teil 1 - Die Gesamtabrechnung

Fangen wir mit der großen Zahl an: Unsere 3 Wochen (genauer: 28 Tage, 2 Personen) haben unterm Strich 11.967 € gekostet. Geplant hatten wir 11.100 €, wir liegen also mit rund 8 % bzw. 867 € über unserem Budget, was wir angesichts der Länge und Spontanität der Reise als absolut vertretbar empfinden. Umgerechnet sind das etwa 200 € pro Person und Tag - und ja, damit ist Island definitiv kein Schnäppchen-Reiseziel aber man muss auch sagen, dass wir hier Nichts ausgelassen haben und wirklich nirgends über die tatsächlichen Kosten nachgedacht haben. Urlaub soll für uns auch immer eine Möglichkeit sein, das Leben zu genießen und frei spontan zu entscheiden worauf man gerade Lust hat ohne sich über finanzielle Konsequenzen Gedanken machen zu müssen.

Spannend ist aber auf jeden Fall die Aufteilung. Die zwei mit Abstand größten Brocken sind Fähre & Laden (3.274 €) und Hotels (3.201 €) mit jeweils rund einem Viertel der Gesamtkosten. Allein die Smyril-Line-Fähre (Hin- und Rückfahrt mit Auto und Kabine) schlug mit rund 2.602 € zu Buche, der Rest dieses Postens ist das Laden des Autos (dazu später mehr). Danach folgen Essen (2.342 €) und Aktivitäten (1.928 €).

Dazu kurz ein kleiner Ausflug - die Fähre ist ein Punkt in unserer Kalkulation, den man sich genauer ansehen sollte, wenn man so eine Reise plant. Die Fährkosten teilen sich nämlich in viele kleine (oder auch große) Kostenblöcke auf:

Kosten (in € / Person)
Fahrt Fähre Hin- und Retour250 €
Standard 2-Bett Kabine357 €
Frühstück (6 Tage)132 €
Abendessen (Buffet - 4 Tage)188 €
Elektroauto bis 1,9m Höhe1000 € (einmalig)
Summeca. 3.000 € (inkl. Essen)

D.h. man könnte die Fährkosten auch deutlich reduzieren wenn man beispielsweise keine 2-Bett Kabine nimmt sondern ohne Kabine oder geteilten Kabine die Reise antritt. Ebenso gibt's bei den Mahlzeiten Optimierungsmöglichkeiten und zusätzlich sind die Gesamtkosten auch stark von der Saison abhängig - würde man beispielsweise im September reisen, zahlt man ca. ein Drittel weniger an Kosten.

Wenn wir nun aber etwas weiterschauen, sehen wir, dass wir vor allem bei den Aktivitäten, nicht gespart haben (+29 % gegenüber Plan). Kein Wunder, wenn man sich die Einzelposten ansieht: Whale Watching (298 €), die Katla-Eishöhlen-Tour (316 €), die Sky Lagoon (236 €) und die Laugaras-Lagune (161 €) summieren sich einfach. Und dann sind da noch die stillen Kostenfresser, allen voran die Parkgebühren, die in Island an fast jeder Sehenswürdigkeit anfallen und sich bei uns auch auf > 110 € aufaddiert haben. Klingt einzeln nach wenig, aber in der Summe kommt dann doch etwas zusammen.

Merke: Für 3 Wochen Island mit ein paar Hotels und den "großen" Aktivitäten sollte man realistisch mit rund 180 bis 200 € pro Person und Tag rechnen. Wer campt und selbst kocht, kommt deutlich günstiger weg. Dazu im folgenden Absatz etwas mehr.

Was, wenn wir anders gereist wären?

Immer wieder werden / wurden wir gefragt, ob unsere Variante (mit dem eigenen E-Auto und der Fähre) eigentlich wirklich günstiger ist. Wir haben deshalb zwei realistische Alternativen für dieselben 3 Wochen durchgerechnet, jeweils für 2 Personen und mit unserem gleichen Aktivitätenprogramm:

  1. Flug + 4x4-Mietwagen (Jimny-Klasse) + Hotels/Cottages - quasi die “Nobelversion” unseres Trips - KEIN Camping und wenig Selbstversorgung
  2. Flug + 4x4 mit Dachzelt + überwiegend Camping (also fast wie unsere Reise, nur mit Miet- statt eigenem Auto)

Als Basis haben wir Nebensaison-Preise angesetzt: Flug Österreich-Keflavík retour inklusive Gepäck rund 700 €, 4x4-Miete rund 159 €/Tag (am Preis unseres Jimny orientiert, mit Dachzelt eher 190 €/Tag oder sogar mehr), Hotels/Cottages realistische 250 €/Nacht, Camping rund 36 €/Nacht. Alles Werte auf Basis unserer Erfahrungen.

PostenUnsere Reise (E-Auto + Fähre)Variante 1 Flug + 4x4 + HotelsVariante 2 Flug + 4x4 + Dachzelt/Camping
AnreiseFähre 2.602 €Flug 700 €Flug 700 €
Mietwagen (21 Tage)Suzuki Jimny (5 Tage - Highlands): 795 €4x4 @ 159/Tag: 3.339 €4x4 + Dachzelt @ 190/Tag: 3.990 €
Sprit / Laden672 €340 €340 €
UnterkunftHotels 3.201 € + Camping 405 €Hotels/Cottages @ 250/N: 5.250 €Camping @ 36/N: 760 €
Essen2.342 €Mix auswärts/selbst: 3.000 €überwiegend Selbstversorgung: 1.300 €
Aktivitäten1.928 €1.900 €1.900 €
Sonstiges23 €200 €200 €
Summe~11.967 €~14.700 €~ 9.150 €

Das Ergebnis ist nicht so überraschend: Fliegen und in Hotels wohnen ist bei weitem nicht billiger, sondern mit rund 14.700 € am teuersten - die vermeintliche Fährersparnis (2.602 auf 700 €) wird vom teuren Mietwagen und den happigen Hotelpreisen mehr als kompensiert (im negativen Sinn). Unsere Variante mit eigenem Auto und Fähre liegt preislich im Mittelfeld und ist damit wirtschaftlich sehr attraktiv (war ja auch der Grund warum wir die Variante gewählt haben und man hat sein eigenes Auto + Campingausrüstung).

Der mit Abstand größte Sparfaktor ist nicht die Anreise, sondern Camping und Selbstkochen: Variante 2 kommt auf rund 9.150 € und damit gut 2.800 € unter unserer Reise. Wer also aufs Budget schaut, spart in Island nicht beim Weg auf die Insel, sondern beim Schlafen und beim Essen.

Teil 2 - Lebensmittel & Restaurants (oder: der kleine Schock an der Kassa)

Kommen wir zum Thema, bei dem Island seinen Ruf als teures Pflaster voll bestätigt. Wir haben unterwegs fleißig Preisschilder fotografiert, um euch einen echten Vergleich zu Österreich liefern zu können (umgerechnet zum damaligen Kurs von 1 ISK = 0,0071 €).

Das Ergebnis ist eindeutig: Quer über den Warenkorb zahlt man in Island im Schnitt fast das Doppelte. Ein Liter Milch kostet rund 63 % mehr, Butter etwa 43 %, ein Becher Skyr (das isländische Nationalprodukt!) sogar doppelt so viel wie bei uns, und bei Frischkäse (+145 %) und Dosentomaten (+123 %) wird es richtig sportlich. Absoluter Spitzenreiter waren übrigens die Eier: ein Karton für umgerechnet fast 12 € hat uns dann doch die Sprache verschlagen.

Genau deshalb hat sich unser Großeinkauf bei REWE in Deutschland ausgezahlt: 2 kg Nudeln, Reis, Pestos, Konserven und Co. von zuhause mitzuschleppen, hat uns über die Reise gerechnet einige Hunderter erspart. (hier müsst ihr nur aufpassen dass ihr nicht über die 20 kg Zollbeschränkungen pro Person für Lebensmittel kommt) Unsere reinen Lebensmittelkosten lagen am Ende bei 623,96 €, also rund 22 € pro Tag für uns beide bzw. etwa 11 € pro Person und Tag, wenn man selbst kocht.

Bei den Restaurantbesuchen muss man sich preislich warm anziehen. Die Schnäppchen: Verpflegung auf der Fähre (rund 630 €), 2* Abendessen in der Highland Base (314 €) sowie diverse Restaurants und Cafés (Pakkhús, Hardrock, ein Inder, Naustið, Vogafjós...) mit zusammen rund 740 €. Ein klassisches Abendessen zu zweit lag bei uns meist zwischen 80 und 130 €, im Schnitt bei gut 100 € - nach oben ging es in der Highland Base und im Naustið sogar Richtung 130 bis 180 €. Unter 70 € kamen wir eigentlich nie davon. Preis-Leistungs-Sieger war ganz klar die legendäre, unendlich nachfüllbare Suppe in Reykjavik.

Merke: Selbstversorger sollten mit ~10 bis 15 € pro Person und Tag für Lebensmittel kalkulieren. Wer oft auswärts isst, legt schnell nochmal 80 bis 130 € pro Restaurantbesuch zu zweit drauf (im Schnitt gut 100 €). Vorräte von zuhause mitnehmen lohnt sich definitiv.

Teil 3 - Island mit dem E-Auto

Viele hatten uns vorab gefragt (teils gewarnt), ob man Island überhaupt sinnvoll mit einem Elektroauto bereisen kann. Und seht selbst :).

Die Reise in Zahlen:

  • Mit dem Tesla gefahren: 6.581 km (davon 3.554 km in Island, 3.027 km auf dem Festland zur Fähre und zurück; dazu kamen noch rund 700 km im gemieteten Suzuki Jimny)
  • Geladene Energie: 1.687 kWh in 45 Ladevorgängen (netzseitig, inklusive Ladeverluste)
  • Durchschnittsverbrauch: 207 Wh/km ab Batterie (netzseitig, also mit Ladeverlusten, entspricht das rund 256 Wh/km - der Wert ist aber verfälscht weil wir den Tesla nachts beim Camping als Heizung verwenden)
  • Reine Stromkosten gesamt: 621 € laut Tesla-App (die gebuchten Ladeausgaben lagen bei rund 672 €; macht effektiv rund 0,37 bis 0,40 €/kWh übers Ganze)

Ein Detail, das mich echt überrascht hat: Man würde ja meinen, das kalte Island frisst mehr Strom. Tatsächlich war der Verbrauch in Island mit 188 Wh/km deutlich niedriger als auf dem Festland mit 229 Wh/km. Der Grund ist recht simpel: Auf der isländischen Ringstraße fährt man gemütliche 50 bis 90 km/h, während auf der deutschen Autobahn eben deutlich flotter (vor allem wenn man irgendwann dann doch wieder Zuhause ankommen will) gefahren wird. Die Kälte kostet zwar auch Reichweite, wie man schön sieht, wenn man den Verbrauch nach Außentemperatur aufschlüsselt, aber das gemächliche Tempo macht das mehr als wett.

Was kostet nun das "Tanken"? Hier zeigt sich Islands großer Vorteil: Der Strom kommt zu praktisch 100 % aus erneuerbaren Quellen (Geothermie und Wasserkraft) und ist entsprechend günstig. Von unseren 1.687 kWh haben wir mit 959 kWh den größten Anteil direkt in Island geladen, und das zu deutlich besseren Preisen (rund 0,26 €/kWh) als beim teuren Schnellladen auf dem Festland.

Und jetzt der Vergleich, auf den die Verbrenner-Spezis gewartet haben: Was hätte dieselbe Strecke mit einem Diesel gekostet? Bei realistischen 7 bis 8 Litern auf 100 km für einen vergleichbaren SUV wären das rund 840 bis 960 € an Sprit gewesen, gegenüber unseren 621 € an Strom. Wir haben also grob 220 bis 340 € gespart, und das trotz der teuren Schnelllade-Etappen auf dem Festland.

Noch schöner wird der Vergleich innerhalb Islands: Unser gemieteter Suzuki Jimny (Benziner) für die Highlands hat für rund 700 km satte 66,54 € Sprit geschluckt, also 9,5 €/100 km. Der Tesla kam in Island auf etwa 4,9 €/100 km, war also pro Kilometer nur ungefähr halb so teuer wie der kleine Benziner.

Ein letzter Nerd-Fakt, den ich euch nicht vorenthalten will: unsere Dachbox. Sieht harmlos aus, kostet aerodynamisch aber doch ordentlich. Ein Vergleich unserer Fahrdaten mit dem Vorjahr zeigt einen Mehrverbrauch von im Schnitt +21 %, stark abhängig vom Tempo. Auf die gesamte Reise gerechnet hat uns dieser Luftwiderstand grob 70 bis 90 € an zusätzlichen Ladekosten beschert.

Und weil wir im Whale-Watching-Artikel schon über das Thema Klima gesprochen haben, passt dieser Gedanke zum Schluss perfekt: Weil Islands Strom nahezu emissionsfrei ist, war unsere gesamte Fahrerei auf der Insel praktisch CO₂-frei. Dieselbe Strecke mit einem Diesel hätte rund 657 kg CO₂ in die Luft geblasen.

Merke: Island mit dem E-Auto ist nicht nur problemlos machbar, sondern dank günstigem Ökostrom sogar deutlich billiger (und sauberer) als mit einem Verbrenner. Das Ladenetz entlang der Ringstraße ist gut ausgebaut, und bei ~188 Wh/km hat man reichlich Reichweite. Nur in den Westfjorden wird's teilweise etwas spannender…\


Damit endet nicht nur dieser Artikel, sondern auch unser Island-Blog. Danke, dass ihr uns auf dieser unglaublichen Reise begleitet habt, wir hoffen, wir konnten euch das eine oder andere Fernweh bescheren (und mit diesem Artikel vielleicht sogar bei der Planung eures eigenen Abenteuers helfen).

Bis bald!

Jürgen

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Fazit nach 3 Wochen Island: Das Land, das alle Erwartungen übertrifft